/ 05.06.2013
Dirk van Laak
Weiße Elefanten. Anspruch und Scheitern technischer Großprojekte im 20. Jahrhundert
Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999; 304 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-421-05185-2Der Band gibt einen kritischen Überblick zur Geschichte der Planung sowie der politischen und organisatorischen Durchsetzung von technischen Großprojekten im 20. Jahrhundert. Dabei geht es vor allem um solche Unternehmungen, bei denen außergewöhnliche technologische Vorgaben in Verbindung mit ehrgeizigen politischen Zielen gewaltige und vielfältige Anstrengungen erforderlich machen, die jeweils mit dem vermeintlich enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen gerechtfertigt werden. Gekennzeichnet sind Großprojekte diesen Typs durch hohe Kosten, lange Konstruktions- und Bauzeiten sowie komplexe Eingriffe in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Umwelt. Anhand der fallweisen Darstellung einer Auswahl von zumeist gescheiterten oder "im Sande verlaufenen" Projekten (sogenannten "Weißen Elefanten") werden insbesondere die politischen, sozialen und kulturellen Anschauungen der technischen und technokratischen Eliten untersucht, die sich in solchen Planungen bilden. Zentral geht es dabei um einen in manchen Fällen bis ins Widersinnige übersteigerten Glauben an den unbegrenzten Fortschritt der technischen Möglichkeiten menschlichen Handelns. So befinden sich die untersuchten Projekte häufig im Grenzbereich zur Utopie, beispielsweise wenn die Schaffung eines zusammenhängenden europäisch-afrikanischen Kontinents durch Abriegelung des Mittelmeeres allen Ernstes erwogen wird und Vorbereitungen dafür allein durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs abgebrochen wurden. Die Auswahl der Fälle ist dabei nicht repräsentativ angelegt. Vielmehr geht es dem Autor darum, die Zwiespältigkeit des technologischen Fortschritts hervorzuheben, zwischen der Überzeugung vom Segen technischer Mammutprojekte und deren tatsächlich häufig bereits in den ersten Bauphasen destruktiver Wirkung. Insofern plädiert der Autor abschließend für den maßvollen und umsichtigen Einsatz von Technologien sowie für eine möglichst umfassende Technologiefolgenabschätzung.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.263 | 2.261
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Dirk van Laak: Weiße Elefanten. Stuttgart: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8015-weisse-elefanten_10610, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 10610
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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