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/ 20.06.2013
Thomas Pogge

Weltarmut und Menschenrechte. Kosmopolitische Verantwortung und Reformen. Übersetzt von Anna Wehofsits

Berlin/New York: Walter de Gruyter 2011 (Ideen & Argumente); XII, 389 S.; brosch., 29,95 €; ISBN 978-3-11-017825-8
Der Band versammelt neun neu übersetzte, aktualisierte Aufsätze Pogges aus dem Zeitraum von 1990 bis 2007. Sie alle thematisieren anhand einer jeweils konkreten Problemstellung das normativ verstandene Problem globaler Gerechtigkeit. Der Problemkomplex der globalen Gerechtigkeit entsteht für Pogge aus dem paradoxen Zusammenhang zweier Phänomene. Das eine besteht in der gravierenden Armut in weiten Teilen der Weltbevölkerung, die fortbesteht, obwohl die global vorherrschende westliche Zivilisation ein Maß an wirtschaftlichem und technologischen Fortschritt hervorgebracht, der diese Armut wenn nicht behoben, so doch zumindest gemildert haben müsste. Das zweite Phänomen spiegelt sich in der Tatsache, dass wir aus westlicher Perspektive um das erste Phänomen wissen – und es als gegeben hinnehmen. Pogge indes tut dies offensichtlich nicht. Er ist nicht einverstanden mit all den „bequemen Annahmen“ (13), die unser Nichtstun verklären und die etwa mit Richard Rorty darauf verweisen, dass das globale Armutsproblem so gravierend sei, dass es eines solch immensen Ressourceneinsatzes bedürfte, um ihm zu begegnen, dass dieser selbst schon von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre. Mit anderen Worten: Die Rettung des einen Teils der Welt durch den anderen – alle Eigentumsunterschiede hin oder her – ist zu teuer. Pogge setzt sich mit einer solchen, schon auf beinahe perverse Art und Weise ökonomisierten Betrachtung in den Aufsätzen seines Buches auseinander, die ihrerseits drei Themenfelder ansprechen. Ein erstes Themenfeld (Aufsätze 1 bis 3) besteht in einer grundsätzlich philosophischen Herangehensweise mit der Frage, was Gerechtigkeit überhaupt ist. Dabei kommt Pogge u. a. zu dem Schluss, dass eine menschenrechtlich verankerte Vermeidung von Diskriminierung ein hinreichend allgemeiner Ansatz wäre, um die individuell verschiedenen Ausbuchstabierungen des guten Lebens zu ermöglichen. Ein zweites Themenfeld ist die oben schon angedeutete Inkongruenz der Welt wie sie ist und der Vorstellungen darüber, wie sie sein sollte. Das dritte und letzte Themenfeld des Bandes enthält schließlich Lösungs- beziehungsweise Handlungsoptionen für eine an der Überwindung dieser Inkongruenz interessierte Politik. Vor dem Hintergrund der zentralen Thesen des Buches – Politiken, die massiv menschenrechtsverletzende Ergebnisse zeitigen sind ungerecht und die Welt, in der wir leben, kennt viele solcher Politiken und ist mithin also ungerecht – erscheinen die Lösungen dann nicht nur erstaunlich einfach, sondern auch gangbar – etwa die, medizinische Versorgung zu einem öffentlichen Gut zu deklarieren.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.454.425.42 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Thomas Pogge: Weltarmut und Menschenrechte. Berlin/New York: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23996-weltarmut-und-menschenrechte_27612, veröffentlicht am 10.01.2013. Buch-Nr.: 27612 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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