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/ 21.06.2013
Mathias Albert / Rudolf Stichweh (Hrsg.)

Weltstaat und Weltstaatlichkeit. Beobachtungen globaler politischer Strukturbildung

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007; 208 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-531-15321-6
Der Anspruch des Kompendiums besteht darin, die Debatte um einen globalen Staat nicht weiterhin der Philosophie zu überlassen. Politikwissenschaftliche und soziologische Diagnosen internationaler Strukturen sollen, so Albert, ihren Blick nicht weiterhin durch einen methodologischen Nationalismus verstellen. An dessen historisch überholtem Kriterium eines einheitlichen, geschlossenen und optimal handlungsfähigen Nationalstaats könnten die öffentlichen Strukturen auf globaler Ebene nur scheitern. Daher ist es das Anliegen der Herausgeber, nach Indizien dafür zu suchen, dass sich im Zuge fortschreitenden Weltregierens Elemente von „Weltstaatlichkeit“ herausbilden. Hierzu werden in der Einleitung globale Institutionen, deren rechtliche Absicherung durch Völkerrechtspraktiken, eine entstehende Weltöffentlichkeit und „harte“ politische Steuerungsmittel wie Sanktionen und Redistribution gezählt. Eine zentrale These Alberts besteht schließlich seit Jahren darin, dass Weltstaatlichkeit nur dann sinnvoll angenommen werden kann, wenn es eine diesem Staat entsprechende Weltgesellschaft gibt, welche Form diese auch immer annehmen möge. Die Spurensuche in den Einzelbeiträgen stößt allerdings vorwiegend auf fragmentierte Rechts- und Öffentlichkeitsstrukturen, kaum auf einheitliche Staatsbildungsprozesse. Am ehesten machen die Autoren dort einen Trend zur Verstaatlichung aus, wo der rhetorische und programmatische Anspruch auf globale Staatlichkeit, etwa durch die Vereinten Nationen, aufrechterhalten wird. Die Anlage der Aufsätze, einseitig nach Zeichen für Weltstaatlichkeit zu suchen, lässt dann freilich die Frage offen, ob dieser Rhetorik nicht ebenso nachdrückliche nationalistische Diskurse gegenüberstehen. Der Sammelband ist eines von mehreren Produkten aus einer Tagungsreihe im Rahmen des Bielefelder Graduiertenkollegs „Weltbegriffe und globale Strukturmuster“, die zwischen 2002 und 2004 durchgeführt wurde.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.15.41 Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Mathias Albert / Rudolf Stichweh (Hrsg.): Weltstaat und Weltstaatlichkeit. Wiesbaden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27761-weltstaat-und-weltstaatlichkeit_32603, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32603 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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