/ 21.06.2013
Oliver Fehren
Wer organisiert das Gemeinwesen? Zivilgesellschaftliche Perspektiven Sozialer Arbeit als intermediärer Instanz
Berlin: edition sigma 2008; 235 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-89404-560-9Diss. Bielefeld. – Durch die zunehmende ökonomische und soziale Spaltung der Gesellschaft drohe auch eine Spaltung der Zivilgesellschaft, da gerade ressourcenarme Bevölkerungsgruppen über geringere Teilhabechancen und zivilgesellschaftliche Kompetenzen verfügten. Vor diesem Hintergrund fragt der Autor, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen als aktive Akteure der Zivilgesellschaft auftreten können und welchen Beitrag die Soziale Arbeit dazu leisten kann, „ohne dabei ins Fahrwasser marktliberal-individualistischer Konzeptionen von Zivilgesellschaft zu geraten“ (14). Fehren verknüpft die Debatte um die Zivilgesellschaft mit Ansätzen gemeinwesenbezogener Arbeit und stellt der Gefahr der neoliberalen Indienstnahme der Zivilgesellschaft eine Perspektive der „vergesellschaftete[n] Verantwortlichkeit“ (20) entgegen. In kritischer Auseinandersetzung mit dem Habermas’schen Konzept der deliberativen Zivilgesellschaft identifiziert Fehren zunächst fünf Kerndimensionen der Zivilgesellschaft. Diese dienen ihm dann als Rahmen für die Analyse verschiedener theoretischer und praktischer Ansätze der Sozialen Arbeit und ihrer Anschlussfähigkeit an die Zivilgesellschaft. Dabei arbeitet er einen umfassenden zivilgesellschaftlichen „Befähigungs- und Ermöglichungsauftrag“ (215) der Sozialen Arbeit heraus, der nicht nur in der Förderung individueller bürgerschaftlicher Kompetenzen sowie der Stärkung der Fähigkeiten zivilgesellschaftlicher Assoziationen besteht, sondern sich darüber hinaus auch auf die Erweiterung institutioneller Handlungsräume bezieht. In Form von vier Angeboten legt Fehren dar, auf welche Weise die Soziale Arbeit zur zivilgesellschaftlichen Integration beitragen kann. Sein Fazit: „Auf der Grundlage eines reflektierten Zivilgesellschafts-Begriffs ergeben sich dabei durchaus professionelle Perspektiven einer ‚systemdehnenden Praxis’ zur Erhöhung demokratischer Egalität, die es rechtfertigen, eine Ausrichtung Sozialer Arbeit auf das ambivalente Projekt Zivilgesellschaft zu riskieren.“ (217)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.42 | 2.22 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Oliver Fehren: Wer organisiert das Gemeinwesen? Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29915-wer-organisiert-das-gemeinwesen_35443, veröffentlicht am 13.01.2009.
Buch-Nr.: 35443
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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