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/ 05.06.2013
Johannes Weyer (Bearb.)

Wernher von Braun

Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1999 (rowohlts monographien); 160 S.; 12,90 DM; ISBN 3-499-50552-5
Die konzise Biographie zeichnet den Lebensweg von Brauns (1912-1977) als Pionier der Raketentechnik nach. Weyer arbeitet heraus, wie der aus Posen gebürtige Sohn einer adeligen Familie (der Vater beteiligte sich als deutschnationaler Parteigänger am Kapp-Putsch und stieg 1932 zum Landwirtschaftsminister im Kabinett von Papen auf, wurde nach 1933 von Hitler jedoch nicht mehr als Minister berücksichtigt) seinen Jugendtraum einer Landung des Menschen auf dem Mond zum Leitmotiv seiner beruflichen Karriere als Physiker machte. Dabei wird deutlich, wie von Braun, der nach 1930 rasch Aufnahme in den Kreis der im deutschsprachigen Raum an der Entwicklung von Flüssigkeitsraketen arbeitenden Wissenschaftler fand, durch Anpassung an die jeweils herrschenden Verhältnisse optimale Bedingungen im Umfeld der politischen Entscheidungen und der materiellen Ausstattung der von ihm betriebenen Raketenentwicklung herzustellen verstand. Hervorgehoben werden die Parallelen in seinem Verhalten während der beiden Hauptphasen auf dem Weg zur bemannten Raumfahrt und zur erfolgreichen Mondlandung. Als technischer Direktor des NS-Raketenzentrums in Peenemünde von 1937 bis 1944 betrieb er die Weiterentwicklung der Raketentechnik mit der Zielvorgabe, eine wirkungsvolle "Wunderwaffe" möglichst rasch bis zum Stadium der Massenproduktion zu bringen und dabei unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft zunehmend die Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen einzusetzen. Als Leiter des Raumfahrtprogramms der NASA von 1959 bis 1969 richtete von Braun die Entwicklung von Trägerraketen nach außen hin ganz auf das von Präsident Kennedy 1961 erklärte Ziel der bemannten Mondlandung durch US-Amerikaner aus, während tatsächlich der militärische Nutzen der Raketen zur Beförderung atomarer Sprengköpfe im Zentrum des ehrgeizigsten Aufrüstungsprogramms während des "Kalten Krieges" stand und den USA bis zum Ende der 1960er Jahre einen uneinholbaren Rüstungsvorsprung gegenüber allen übrigen Nuklearmächten sicherte. Das Erreichen beider Ziele führte von Braun 1969 auf den Höhepunkt seiner Karriere und leitete zugleich die Neuorientierung der US-Raumfahrtpolitik ein, die von Braun in der Folge praktisch einflußlos machte.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.32.3122.64 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Johannes Weyer (Bearb.): Wernher von Braun Reinbek: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8204-wernher-von-braun_10821, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10821 Rezension drucken
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