/ 22.06.2013
Andreas H. Apelt / Eckhard Jesse / Heide Stache (Hrsg.)
Werte und Wertewandel. Was hält unsere Gesellschaft zusammen?
Halle/Saale: Mitteldeutscher Verlag 2012; 239 S.; brosch., 14,95 €; ISBN 978-3-89812-960-2Die Deutsche Gesellschaft e. V. schrieb 2011 einen Ideenwettbewerb zum Titelthema des Sammelbandes aus, an dem sich über 100 Studierende aller Fachrichtungen beteiligten. In dem Band finden sich nun neben denen der drei Preisträger die Essays 22 weiterer Teilnehmer, die sich mit gesellschaftlichen Werten und deren Wandel aus sehr unterschiedlichen Blinkwinkeln und auch in stilistisch heterogener Weise beschäftigen. Während sich der öffentliche Diskurs zwischen Prognosen eines zunehmenden Verfalls und einem Wiederaufleben traditioneller Werte kontrovers zeigt, spiegeln die Autoren insgesamt eine hoffnungsvolle Sicht auf die Zukunft wider. Joy Kumar Chowdhury spricht sich für die Unverzichtbarkeit des Rechtsstaats aus, wobei er diesen nicht nur als juristisches Regelwerk, sondern auch als moralische Instanz versteht. Die zweite Preisträgerin, Elisabeth Maria Hofmann, setzt sich – eingebettet in die Geschichte einer gemeinsamen Autofahrt zuvor unbekannter Mitfahrer – mit dem Thema gesellschaftlicher Grenzen auseinander. Diese stellen sich in ihrem Verständnis weniger als Grenzziehung „unter dem Vorzeichen des Entzweiens, des Eingrenzen und des Ausgrenzens“ (77) dar, sondern bieten Anlass zu einem gemeinsamen Dialog. Mit dem ersten Preis wurde der Beitrag „Die vernünftige Argumentation als ein Grundwert der Gesellschaft“ (145) von Christian Nille ausgezeichnet. Anhand der Diskussion um Egon Flaigs Rückblick auf den Historikerstreit argumentiert er für die Urteilskraft als Grundwert der Gesellschaft. In den weiteren Essays werden Werte und Wertewandel unter anderem mit Blick auf Demokratie und Freiheit, auf die gesellschaftliche Solidarität und den respektvollen Umgang miteinander, aber auch in Bezug auf den Wert der Werte und die Bedeutung des Wertes gegenüber dem Nicht-Wert thematisiert. Auch werden aktive Partizipation, gesellschaftliche Verantwortungsübernahme oder sogar zivilgesellschaftlicher Pflichtdienst gefordert. Im Überblick kristallisiert sich heraus, dass zum einen die Diskursivität der Werte zentral ist, zum anderen aber bestimmte Werte auch im Wandel dauerhaft bewahrt werden müssen.
Luisa Lemme (LL)
M. Ed., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Bremen.
Rubrizierung: 2.35 | 2.3 | 5.42 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Luisa Lemme, Rezension zu: Andreas H. Apelt / Eckhard Jesse / Heide Stache (Hrsg.): Werte und Wertewandel. Halle/Saale: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35526-werte-und-wertewandel_42855, veröffentlicht am 06.12.2012.
Buch-Nr.: 42855
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M. Ed., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Bremen.
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