/ 19.06.2013
Sebastian Wienges
Westlicher Individualismus versus Asiatische Werte. Die Bedeutung von Individuum und Kultur für gesellschaftliche Entwicklung
Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2003; 165 S.; brosch., 16,80 €; ISBN 3-936846-57-XIn den komplexen Diskurs zur Entwicklung von Gesellschaften bringt Wienges seinen interdisziplinären, akteurszentrierten Ansatz ein. Entwicklungsfördernde und hemmende Faktoren bestünden in jeder Gesellschaft und in jedem Individuum; die verschiedenen Entwicklungspfade von Kulturen erklärten sich hiernach aus den unterschiedlichen Konstellationen dieser Faktoren. Der Autor will diese Unterschiede herausarbeiten und für Ansätze des „social engineering“ nutzbar machen. Als Analyseschemata bedient er sich der Wertsysteme Kollektivismus und Individualismus. Theoretisch grenzt Wienges seine Vorgehensweise gegen Evolutions-, Gleichgewichts- und Konflikttheorien sowie gegen die „culture and personality“-Lehre ab. Ausgehend von einer theoretischen Auseinandersetzung mit Weber, Popper und Dumont diskutiert der Autor die Frage nach den kulturellen Grundlagen von Entwicklung auf der Grundlage mehrerer Modernisierungstheoretiker sowie der Studien von McClelland, Inkeles/Smith und Hofstede. Am Beispiel der australischen Aborigines veranschaulicht Wienges anschließend kollektivistische gesellschaftliche Systeme. Dabei nimmt er eine dezidiert ethno-soziologische Perspektive ein. Kollektivismus müsse stets im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext begriffen werden, da er sonst als das Gegenteil von Individualismus missverstanden werden könne. Abschließend stellt Wienges das „asiatische“ Entwicklungsmodell dar und vergleicht es mit den bereits erarbeiteten Modellen anderer Regionen. Im Gegensatz zu anderen Autoren kommt Wienges zu dem Schluss, dass die asiatischen Werte nicht die Entwicklung dieser Länder gefördert hätten, sondern in der Asienkrise endeten. Zwar habe es auch in Asien individualistische Vorstellungen gegeben; diese hätten sich aber stärker durchsetzen müssen, um die damaligen Fehlentwicklungen zu verhindern. Von diesen Überlegungen ausgehend versucht Wienges, verallgemeinerungsfähige Aussagen darüber zu treffen, „wie kollektivistische und individualistische Vorstellungen in der Entwicklungszusammenarbeit genutzt werden können“ (24).
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Sebastian Wienges: Westlicher Individualismus versus Asiatische Werte. Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21215-westlicher-individualismus-versus-asiatische-werte_24761, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24761
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
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