/ 22.06.2013
Gideon Botsch / Joachim H. Knoll / Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.)
Wider den Zeitgeist. Studien zum Leben und Werk von Hans-Joachim Schoeps (1909-1980)
Hildesheim/Zürich/New York: Georg Olms Verlag 2009 (Haskala 39); 324 S.; geb., 49,80 €; ISBN 978-3-487-13924-1Hans-Joachim Schoeps war deutsch-jüdischer Gelehrter, Religionswissenschaftler, Historiker, Konservativer und Kommentator des Zeitgeschehens. Dieser Band führt in sein Denken und Wirken ein. Frank-Lothar Kroll befasst sich mit dem Verhältnis von Schoeps zu Preußen. Er sei einer der ganz wenigen Hochschullehrer gewesen, bei denen man sich in den 50er- und 60er-Jahren intensiv mit der preußischen Geschichte befassen konnte. Preußen sei ihm gar „Lebensproblem“, „existenzielle Erfahrung“ und „Schicksalsgröße“ gewesen (106). Dabei sind insbesondere Krolls Ausführungen zu den politischen Dimensionen und Folgewirkungen von Schoeps Preußen-Engagement interessant. Die Begegnung mit der Geschichte geriet Schoeps zu einem „Akt virtueller Kräfteübertragung“ (119). Ein solches von existenzphilosophischen Denkmotiven gestaltetes Geschichtsverständnis musste sich, so Kroll, „als zutiefst interessegeleitet offenbaren“ (119). Mithin sei Schoeps von dem Drang beseelt gewesen, seine Zuneigung für den Hohenzollernstaat und dessen Repräsentanten an die Adressaten seiner Bücher und Vorträge weiterzureichen. So gründete er 1969 den Zollernkreis und 1975 das daraus hervorgegangene Preußeninstitut, die beide einer Reaktivierung preußischer Gesinnung dienen sollten. 1953 begab sich Schoeps mit seinem Vorschlag, dem preußischen Thronfolger das Amt des Bundespräsidenten anzutragen, gar auf das Feld der großen Politik. Hans-Christof Kraus befasst sich mit Schoeps als konservativem Denker. Er bezeichnet ihn als „homo politicus von hohen Graden“ (175) und benennt die Kernpunkte seines Denkens: die Wiederherstellung eines verkleinerten Reichs und Preußens, eine neue Eliteauslese, ein Pluralwahlrecht, das einzelnen Personenkreisen Zusatzstimmen gewähren sollte und anfänglich auch eine Re-Etablierung der Monarchie. Der Band ist das Ergebnis eines internationalen Symposiums der Gesellschaft für Geistesgeschichte und des Moses Mendelsohn Zentrums im Herbst 2008, das unter dem Titel „Wider den Zeitgeist“ der Erinnerung an Hans-Joachim Schoeps gewidmet war.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Gideon Botsch / Joachim H. Knoll / Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.): Wider den Zeitgeist. Hildesheim/Zürich/New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32006-wider-den-zeitgeist_38174, veröffentlicht am 26.07.2010.
Buch-Nr.: 38174
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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