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/ 12.06.2013
Anne Overesch

Wie die Schulpolitik ihre Probleme (nicht) löst – Deutschland und Finnland im Vergleich

Münster u. a.: Waxmann Verlag 2007; 351 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-8309-1837-0
Politikwiss. Diss. Münster. – Die Autorin nimmt die Debatte um die Qualität der Schule zum Anlass zu untersuchen, inwieweit politisches Handeln den Erfolg und Misserfolg des Schulwesens bestimmt. Wenn es zutrifft, dass die politische Problemlösungsfähigkeit für die Qualität der Schulen verantwortlich ist, dann – so die Überlegung – lassen sich Programme nicht einfach kopieren. „Erfolgreiche Schulpolitik wäre demnach weniger das Ergebnis konkreter Programme. Entscheidend wäre vielmehr die (Un-)Fähigkeit des politischen Systems, den Sektor Schule zu gestalten und zu steuern.“ (22) Diese Annahme überprüft die Autorin in ihrer Vergleichsstudie über den PISA-Sieger Finnland und die fünf deutschen Bundesländer Bayern, Sachsen, Hessen, Niedersachsen und Brandenburg, indem sie die jeweiligen schulpolitischen Inhalte (Policy) sowie die Strukturen und die Entscheidungsprozesse selbst (Policy Making) in den Blick nimmt. Die Untersuchung umfasst den Zeitraum von 1990 bis 2001 und erfolgt in zwei Schritten: Erstens wird auf der Basis einer Dokumentenanalyse eine Bilanz der materiellen schulpolitischen Leistungen vorgenommen und zweitens wird auf der Grundlage von Interviews mit einschlägigen Vertretern aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft nach dem Einfluss verschiedener Faktoren des politischen Systems auf die Entscheidungsfindung gefragt. Damit gelingt es Overesch aufzuzeigen, dass das Schulwesen in Finnland eine höhere Wertschätzung erhält als in Deutschland. Zudem weist Finnland einen pragmatischen und kooperativen Politikstil auf, während es in Deutschland an einem „Konsens über die Funktion und wesentlichen Ziele von Schule“ (15) mangelt – mit der Folge einer geringeren Problemwahrnehmungsbereitschaft und -lösungsfähigkeit. Stattdessen ist in Deutschland das Handlungsfeld Schule vielfach Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen und Schulpolitik wird bislang – so ein weiteres bedeutendes Ergebnis – nicht als Teil des deutschen Wohlfahrtsstaates betrachtet.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2632.3432.612.3252.21 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Anne Overesch: Wie die Schulpolitik ihre Probleme (nicht) löst – Deutschland und Finnland im Vergleich Münster u. a.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14384-wie-die-schulpolitik-ihre-probleme-nicht-loest--deutschland-und-finnland-im-vergleich_33319, veröffentlicht am 28.03.2008. Buch-Nr.: 33319 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA