/ 20.06.2013
Nils Goldschmidt (Hrsg.)
Wirtschaft, Politik und Freiheit. Freiburger Wirtschaftswissenschaftler und der Widerstand
Tübingen: Mohr Siebeck 2005 (Untersuchungen zur Ordnungstheorie und Ordnungspolitik 48); XVII, 510 S.; brosch., 59,- €; ISBN 3-16-148520-3Die Opposition Freiburger akademischer und kirchlicher Gruppen gegen das NS-Regime ist unter dem Begriff „Freiburger Kreise“ bekannt geworden. Den Freiburger Wirtschaftswissenschaftlern um Walter Eucken, Constantin von Dietze und Adolf Lampe kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als sie nicht nur in den Widerstand eingebunden waren, sondern auch umfangreiche wirtschafts- und sozialpolitische Pläne für eine Nachkriegsordnung entwickelten. Sie prägten das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft maßgeblich und nahmen damit bedeutenden Einfluss auf die Ausgestaltung der Wirtschaftsordnung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Autorinnen und Autoren beleuchten sowohl den Widerstand als auch die wirtschaftswissenschaftlichen Neuerungen jener Zeit. Im ersten Teil stellen sie die Persönlichkeiten und Gruppierungen des Widerstandes vor und im zweiten Teil porträtieren sie weniger bekannte Wirtschaftswissenschaftler der Universität Freiburg und zeichnen ihre Arbeitsbedingungen und Werdegänge unter der NS-Herrschaft nach. In den Beiträgen des dritten Teils widmen sie sich den „Freiburger Kreisen“ und der „Freiburger Schule“. Der letzte Abschnitt enthält Zeitzeugenberichte zum Thema. Das Buch dokumentiert ein anlässlich des 60. Jahrestages des Attentates auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 durchgeführtes Symposium mit dem Titel „Freiburger Wissenschaftler und der Widerstand“.
Aus dem Inhalt:
I. Prolog - Widerstand und Emigration
Harald Hagemann:
Widerstand und Emigration. Die Lage der deutschsprachigen Nationalökonomie nach 1933 und die Rolle Freiburger Wirtschaftswissenschaftler (3-24)
II. Der 20. Juli 1944 in Retrospektive und Perspektive
Bernd Martin:
Professoren und Bekennende Kirche. Zur Formierung Freiburger Widerstandskreise über den evangelischen Kirchenkampf (27-55)
Hugo Ott:
Ende der Idylle - Universität und Stadt Freiburg im Sommersemester 1944 (57-66)
Detlef J. Blesgen:
„Widerstehet dem Teufel“ - Ökonomie, Protestantismus und politischer Widerstand bei Constantin von Dietze (1891-1973) (67-90)
Heinz Grossekettler:
Adolf Lampe, die Transformationsprobleme zwischen Friedens- und Kriegswirtschaften und die Arbeitsgemeinschaft Erwin von Beckerath (91-119)
III. Streiflichter - (un)zeitgemäße Freiburger Wirtschaftswissenschaftler
Klaus-Rainer Brintzinger:
Von „autochthonen Botschaften“ zur Freiburger Schule - der Paradigmawechsel in der Freiburger Nationalökonomie als Voraussetzung für Widerstand (123-145)
Gerold Blümle / Nils Goldschmidt:
Robert Liefmann - Querdenker und Regimeopfer (147-175)
Nils Goldschmidt / Wendula Gräfin von Klinckowstroem:
Elisabeth Liefmann-Keil. Eine frühe Ordoliberale in dunkler Zeit (177-204)
Hermann Rauchenschwandtner:
Soziale Erkenntniskritik, Wesenswirtschaft und nationalsozialistische Weltanschauung mit besonderer Berücksichtigung von Josef Back (205-242)
Sönke Hundt:
Die Betriebswirtschaftslehre im Nationalsozialismus zwischen Emigration, Verfolgung und Kooperation. Generelle Überlegungen und das Beispiel des Freiburger Betriebswirts Martin Lohmann (243-264)
IV. Freiburger Kreise und Freiburger Schule
Helge Peukert:
Die wirtschafts- und sozialpolitischen Zielsetzungen des Freiburger Kreises (267-287)
Nils Goldschmidt:
Die Rolle Walter Euckens im Widerstand: Freiheit, Ordnung und Wahrhaftigkeit als Handlungsmaximen (289-314)
Walter Oswalt:
Liberale Opposition gegen den NS-Staat. Zur Entwicklung von Walter Euckens Sozialtheorie (315-353)
Daniela Rüther:
Der Einfluss Freiburger Nationalökonomen auf die wirtschaftspolitischen Vorstellungen und Planungen der Widerstandsbewegung des 20. Juli 1944 - dargestellt am Beispiel der „Volkswirtschaftsfibel“ von 1941/42 (355-381)
Rainer Klump:
Der Beitrag der Freiburger Kreise zum Konzept der Sozialen Marktwirtschaft (383-401)
V. Epilog - Das Freiburger Erbe
Hans Albert:
Wirtschaft, Politik und Freiheit. Das Freiburger Erbe (405-419)
VI. Das Recht zum Widerstand
Constantin von Dietze:
Das Recht zum Widerstand (423-431)
Marianne Kirchhofer / Gottfried von Dietze:
„Mir wurde klar, das ist ja alles teuflisch. Da kann es nur eines geben: widersteht dem Teufel (433-447)
Ursula Kleinberger-Markwalder:
Doktor-Examen bei Walter Eucken und Constantin von Dietze im September 1944 (449-452)
Albert Kreuels:
Die Freiburger Studentengruppe KAKADU. Rückblick auf das Jahr 1944 (453-455)
Heinrich Kullmann:
Kassiber aus der KZ-Haft (457-458)
Ernst Heuß:
Persönliche Erinnerungen an Freiburg während der Kriegszeit (459-467)
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 5.46 | 5.45 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Nils Goldschmidt (Hrsg.): Wirtschaft, Politik und Freiheit. Tübingen: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22900-wirtschaft-politik-und-freiheit_26150, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26150
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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