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/ 22.06.2013
Susanne Pernicka / Anja Lasofsky-Blahut / Manfred Kofranek / Astrid Reichel

Wissensarbeiter organisieren. Perspektiven kollektiver Interessenvertretung

Berlin: edition sigma 2010; 322 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89404-569-2
Ökonomische und soziostrukturelle Veränderungen haben in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der in Interessenvertretungen organisierten Arbeitnehmer geführt. Vor diesem Hintergrund stellen die Autoren eine Gruppe von Erwerbstätigen ins Zentrum ihres Forschungsvorhabens, die traditionell durch eine geringe gewerkschaftliche Bindung gekennzeichnet ist, die sie aber als stellvertretend für den allgemeinen Trend ansehen: hochqualifizierte Beschäftigte in wissensintensiven Tätigkeitsfeldern, die sogenannten Wissensarbeiter. Dieser Erwerbsgruppe schreiben die Autoren eine besondere Bedeutung in unserer wissensbasierten Ökonomie zu. Ihre Mitglieder charakterisieren sie durch eine besonders starke Individualisierung, die in Verbindung mit einem neoliberalen Gesellschaftsbild zu einer Entsolidarisierung von den Gewerkschaften führe: „Projektbezogene, häufig auf quasi Solo-Selbständigkeit basierende Arbeitsorganisation, individualisierte Aushandlungsprozesse und einzelvertragliche Regulierungen werden als prägend für die Wirtschaftsstruktur in der so genannten New Economy wahrgenommen“ (15). Wissensarbeiter stuften deshalb betriebliche und überbetriebliche Interessenvertretungen von vornherein als wenig relevant ein und substituierten diese durch Selbstbestimmung. Dies gelte insbesondere für den Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie für Kultur und Medien. Die Autoren stellen fest, dass auch die feldspezifischen Organisations- und Machtstrukturen in Verbindung mit den jeweiligen Steuerungslogiken der Arbeit der Arbeit einen Einfluss auf die kollektive Organisationsbereitschaft der Hochqualifizierten nehmen – nicht allein die Spezifika der Wissensarbeit, wie eine hohe Komplexität der Tätigkeit in Verbindung mit einem geringen Grad der Professionalisierung, oder subjektiven Wahrnehmungsstrukturen der Wissensarbeiter.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.42.222.2635.2 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Susanne Pernicka / Anja Lasofsky-Blahut / Manfred Kofranek / Astrid Reichel: Wissensarbeiter organisieren. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32419-wissensarbeiter-organisieren_38683, veröffentlicht am 19.07.2010. Buch-Nr.: 38683 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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