/ 18.06.2013
Florian Keisinger / Steffen Seischab (Hrsg.)
Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2003; 197 S.; kart., 15,90 €; ISBN 3-593-37336-XDer Band ist eine Reaktion auf die im Jahr 2002 an der Universität Tübingen initiierte „Stellenumwidmung, welche in dramatischem Ausmaß die Geistes- und Sozialwissenschaften zugunsten der sogenannten Lebenswissenschaften benachteiligt" (13). Die Geisteswissenschaften, so die Herausgeber, werden von einem zunehmend utilitaristischen Zeitgeist und durch überdurchschnittlich starke Budgeteinschnitte immer weiter an den universitären Rand gedrängt. Umgekehrt herrsche in ihren Reihen bereits seit Jahren „eine masochistische Jammerkultur" (11), aus der es endlich in eine selbstbewusst geführte öffentliche Debatte auszubrechen gelte. Der Band versteht sich als Anstoß hierzu; er beginnt mit vier resümierenden Beiträgen, die grundsätzliche Gedanken über die Entwicklung und den heutigen Stellenwert der Geisteswissenschaften enthalten. Dem folgen fünf Außenansichten aus Politik, Journalismus, Literatur und Wirtschaft. Im Hauptteil stellen sich Vertreter verschiedener Disziplinen jeweils für ihr Fach der Leitfrage des Bandes; ausgewählt wurden die Geschichtswissenschaft, Philosophie, Theologie, Altertumskunde, Islamwissenschaften, Germanistik, Linguistik, Pädagogik und die Europäische Ethnologie. Abschließend kommen Vertreter der Naturwissenschaften, der Bio- und Lebenswissenschaften, der Soziologie und der Wirtschaftswissenschaften zu Wort, die jeweils aus der Perspektive ihrer mit eigenen Positionen antretenden Fächer den Bezug zu den Geisteswissenschaften und der titelgebenden Frage des Bandes herstellen.
Aus dem Inhalt:
1. Leistung und Kritik der Geisteswissenschaften
Jürgen Kaube:
Das Unbehagen in den Geisteswissenschaften. Empirische und überempirische Krisen (17-28)
Dieter Langewiesche:
Wozu braucht die Gesellschaft Geisteswissenschaften? (29-42)
Peter Glotz:
Die drei Dimensionen der geisteswissenschaftlichen Krise (43-47)
Ernst-Wolfgang Böckenförde:
Die Bedeutung der Geisteswissenschaften im öffentlichen Leben (48-50)
2. Geisteswissenschaften und Gesellschaft
Interview mit Thomas Oppermann:
Geisteswissenschaften in der Krise - Eine Jammerkultur unter Wert (53-59)
Christine Pries:
Ein emphatisches Konzept von Öffentlichkeit. Das Forum Humanwissenschaften der Frankfurter Rundschau (60-65)
Jürgen Kluge:
Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft - das ist kein Widerspruch (66-73)
Roland Berger:
Kreative Positionen durch kommunikative Interaktion (74-78)
Günter Kunert:
Die Wissenschaft des Geistes (79-82)
3. Zu Anspruch und Aktualität der Geisteswissenschaften - Eine Auswahl einzelner Disziplinen
Christof Rapp:
Philosophie (85-95)
Paul Nolte:
Geschichtswissenschaft (96-108)
Friedrich Wilhelm Graf:
Theologie (109-116)
Jörg Rüpke:
Altertumskunde (117-123)
Lutz Richter-Bernburg:
Islamwissenschaft (124-130)
Jürgen Wertheimer:
Germanistik (131-135)
Peter Koch:
Linguistik (136-143)
Klaus Prange:
Pädagogik (144-150)
Wolfgang Kaschuba:
Volkskunde/Europäische Ethnologie (151-160)
4. Die Geisteswissenschaften aus Sicht der praxisorientierten Handlungs- und Naturwissenschaften
Walter M. Sprondel:
Über das Verhältnis der Soziologie zu den Geisteswissenschaften (163-167)
Joachim Starbatty:
Geistesgeschichte als Korrelat zur Ökonomik (168-177)
Silke Schicktanz:
Geisteswissenschaften und Biowissenschaften. Interdisziplinäre Grenzüberschreitungen am Beispiel der Bioethik (178-186)
Gregor Markl:
Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften. Verbündete, nicht Kontrahenten (187-194)
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.2
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Florian Keisinger / Steffen Seischab (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Frankfurt a. M./New York: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19728-wozu-geisteswissenschaften_22962, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 22962
Rezension drucken
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
CC-BY-NC-SA