/ 04.06.2013
Gerhard Schoenberner
Zeugen sagen aus. Berichte und Dokumente über die Judenverfolgung im "Dritten Reich"
Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 1998; 448 S.; 24,90 DM; ISBN 3-7466-8039-5"Einer allein kann die große Epopöe [der Judenverfolgung] nicht zu Ende erzählen. [...] Dieses Buch hat daher keinen Autor. Es ist ein vielstimmiger Chor, aus dem einzelne hervortreten und ihre Stimme erheben, auch im Namen jener, die nicht mehr sprechen können." (9) Siebzig Zeugenaussagen aus den Jahren 1933 bis 1945 sind in diesem Band vereint, größtenteils von Überlebenden des Holocaust. Aus der Unmittelbarkeit ihrer Schilderungen erwächst ein Bild der Judenverfolgung, welches nicht die Täter, sondern die Opfer in den Mittelpunkt stellt. Damit erfüllt die revidierte Neuauflage eines bereits 1962 erstmals erschienenen Buchs gerade jetzt eine wichtige Funktion: Über den Diskussionen über Schuld und kollektive Erinnerung darf nicht vergessen werden, was die nationalsozialistische Diktatur für die Verfolgten bedeutet hat. Schoenberners treffsichere Auswahl der Quellen und die chronologische Anordnung verdeutlichen die zunehmende Bedrohung von Leib und Leben, welcher Juden in Deutschland ausgesetzt waren; gleichzeitig machen sie die Leiden selbst 60 Jahre danach erfahrbar, so gut dies nur möglich ist. Die Quellensammlung kann daher nicht nur für die Forschung einen wertvollen Beitrag leisten, indem eine umfangreiche Anzahl persönlicher Schilderungen einfach zugänglich gemacht werden, sondern könnte auch in der politischen Bildung und an Schulen zur plastischen Verdeutlichung der Verbrechen der Nationalsozialisten gute Dienste leisten.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Gerhard Schoenberner: Zeugen sagen aus. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6401-zeugen-sagen-aus_8706, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8706
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Dr., Politikwissenschaftler.
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