/ 21.06.2013
Dierk Walter
Zwischen Dschungelkrieg und Atombombe. Britische Visionen vom Krieg der Zukunft 1945-1971
Hamburg: Hamburger Edition 2009; 538 S.; 35,- €; ISBN 978-3-86854-202-8Habilitationsschrift Bern. – Großbritannien hat von 1945 bis 1992 „öfter Krieg geführt [...] als jedes andere Land der Welt“ (21), 18-mal, wobei weitere kleinere Militäreinsätze noch nicht einmal eingerechnet sind. Die Frage nach dem Kriegsbild, die Walter in dieser geschichtswissenschaftlichen Studie stellt, ist also nicht nur von hypothetischem Belang, wie dies im gleichen Untersuchungsraum für die Bundesrepublik eher der Fall wäre. Ihre Antwort ist vielmehr in dem Spannungsfeld zwischen dem kalten Krieg in Europa und den heißen Konflikte an den Schauplätzen der (ehemaligen) Kolonien zu suchen – erst 1971, nach der Aufgabe des letzten Stützpunktes in Asien, orientierte sich die britische Militärpolitik ausschließlich auf die Verteidigung Europas. Die Frage nach dem Kriegsbild ist nach Ansicht von Walter nun vor allem deshalb relevant, weil mit den Vorstellungen über den künftigen Krieg politische Entscheidungen über die finanzielle Ausstattung und technische Ausrichtung der Armee verbunden waren und sind. Und so ist es wenig überraschend, dass die Teilnehmer an der Debatte darüber, welcher Krieg der nächste sein wird, im Untersuchungszeitraum vor allem Armeeangehörige waren, meist höhere Offiziere, die ihren jeweiligen Streitkräften ein möglichst großes Budget sichern wollten. Entsprechend basiert diese Studie auf der Auswertung von über 3.400 Beiträgen, die in einem Dutzend einschlägiger Militärzeitschriften erschienen sind. Es zeigt sich, dass – aufgrund der verschiedenen Interessen, die von den Debattenteilnehmern verfolgt wurden – die Frage nach einem einheitlichen Kriegsbild, „zwischen Atombombe und endgültiger Abwicklung der Weltmachtrolle, so komplex und widersprüchlich wie nur irgend möglich [war]“. Dieser diskursive „Alptraum“ (24) bestand allerdings nur auf dem Papier, weitgehend einig sei man sich gewesen, dass ein Dritter Weltkrieg unwahrscheinlich sei. Aber die Militärpublizistik „neigte in Teilen dazu, die Gefahr [...] eher höher einzustufen – um plakativ für mehr Militärausgaben zu werben –, als es die Militärführung intern für nötig befand“ (225 f.).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.21 | 4.22 | 4.1 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Dierk Walter: Zwischen Dschungelkrieg und Atombombe. Hamburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30563-zwischen-dschungelkrieg-und-atombombe_36294, veröffentlicht am 24.07.2009.
Buch-Nr.: 36294
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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