/ 20.06.2013
Arnd Bauerkämper / Konrad H. Jarausch / Marcus M. Payk (Hrsg.)
Demokratiewunder. Transatlantische Mittler und die kulturelle Öffnung Westdeutschlands 1945-1970
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2005; 335 S.; kart., 24,90 €; ISBN 3-525-36285-4Neben dem Wirtschaftswunder vollzog sich in Westdeutschland nach dem Krieg auch ein „Demokratiewunder“. Diese Etablierung einer demokratischen Kultur in ihren Facetten zu beleuchten, war Gegenstand einer Tagung im Dezember 2003 in der American Academy in Berlin, bei der die hier erschienenen Aufsätze als Vorträge gehalten wurden. Von besonderem Interesse für die Politikwissenschaft ist der Beitrag von Bauerkämper zur Orientierung deutscher Politologen an amerikanischen Modellen des Faches. Er stellt die anfängliche Demokratieskepsis des Konservativen Arnold Bergstraesser der pluralistischen Demokratiekonzeption des Sozialdemokraten Ernst Fraenkel gegenüber. Trotz dieser Differenzen wirkten die beiden Gründerfiguren der westdeutschen Politikwissenschaft auf ihre Art als transatlantische Demokratievermittler. Frieder Günther knüpft in seinem Beitrag über die Bedeutung der Smend-Schule in der deutschen Staatslehre der Nachkriegszeit an seine Dissertation an (siehe ZPol 4/04: 1.595, Buch-Nr. 24687). Er zeigt, wie im Anschluss an die Staatslehre Rudolf Smends, auch unter dem Einfluss der wieder gegründeten Disziplin Politikwissenschaft, der überkommene Etatismus des deutschen Staatsdenkens pluralisiert wurde. Michaela Hoenicke Moore stellt in ihrem Aufsatz unter anderem das Amerika-Bild von Dolf Sternberger dar. Dessen Blick auf die Vereinigten Staaten war von einer affirmativen Hinwendung und von dem Bestreben geprägt, den Deutschen mit amerikanischer Hilfe die Demokratie zu erklären. Raimund Lammersdorf analysiert amerikanische Befürchtungen über das autoritäre Bewusstsein der Deutschen. Er illustriert das an dem schönen Beispiel von „strammstehenden und hackenknallenden Beamten“ (86), die Vertretern der amerikanischen Militärregierung melden, dass das Volk „streng demokratisch“ sei. Auch die staatliche Praxis in Regierung, Gesetzgebung und Rechtsprechung der Adenauerzeit führte bei den Amerikanern zu Zweifeln am bürgerlichen Freiheitsbewusstsein der Deutschen.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.313 | 2.35 | 2.333 | 5.46 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Arnd Bauerkämper / Konrad H. Jarausch / Marcus M. Payk (Hrsg.): Demokratiewunder. Göttingen: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24695-demokratiewunder_28534, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28534
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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