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/ 02.06.2016
Jan-Christoph Hauswald

Der Angewandte Vetospieleransatz. Bahnstrukturreform und Postreform II neu analysiert

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015; 420 S.; 72,- €; ISBN 978-3-8487-1375-2
Diss. Chemnitz; Begutachtung: E. Jesse, A. Kemnitz. – Die Reformfähigkeit von politischen Prozessen mithilfe eines erweiterten Vetospieleransatzes zu untersuchen, ist das Ziel von Jan‑Christoph Hauswald. An dem von Georg Tsebelis entwickelten Vetospieleransatz bemängelt Hauswald, dass er sich zur Untersuchung von Wandlungsprozessen kaum eigne, da sich seine Variablen nicht operationalisieren und Wirkungszusammenhänge nur wenig differenzieren lassen. Im ersten Teil seiner Dissertation fügt der Autor der Theorie daher eine „Forschungsheuristik“ (38) hinzu, die aus dem akteurszentrierten Institutionalismus von Renate Mayntz und Fritz Scharpf gewonnen wird und aus der Analyse einer empirischen Handlungssituation schrittweise auf die Reformfähigkeit von Politikinhalten schließt. Hierbei sind nicht nur die Anzahl der Vetospieler und ihre Position gegenüber dem Status quo entscheidend, sondern auch ihr jeweiliger innerer Zusammenhalt (Kohäsion), die Kongruenz der Akteure im Hinblick auf den Politikwechsel sowie die Konstellation, innerhalb derer sie miteinander interagieren. In strikter Anwendung dieser Kategorien analysiert der Autor im zweiten Teil die Reformen zur Privatisierung der Bundesbahn und Bundespost in den 1990er‑Jahren, um die Erklärungskraft seines Ansatzes zu demonstrieren. Dabei zeigt er, dass sich die Bahnstrukturreform trotz einer hohen Anzahl an Akteuren dadurch erklären lässt, dass diese eine positive Handlungsorientierung zur Reform „in Kombination mit einer hohen Kohäsion besaßen“ (377). Im Falle der Postreform war die SPD durch einen Reformflügel und einen der Postgewerkschaft nahestehenden Flügel gespalten. Durch ein niedrigschwelliges Entscheidungsverfahren innerhalb der Partei konnte die fehlende Kohärenz aber im Sinne der Reform ausgeglichen werden. Der angestellte Vergleich im dritten Teil dient dem Autor dazu, die entwickelten Kategorien zu hierarchisieren und festzustellen, dass vor allem eine hohe Kohäsion sowie Kohärenz für eine hohe Reformfähigkeit entscheidend sind und anderen Faktoren nur sekundäre Bedeutung zukommt. Obwohl der Autor resümiert, die Allgemeingültigkeit seines Ansatzes nicht bewiesen zu haben, ist der entwickelte Ansatz zur Untersuchung auch anderer politischer Wandlungsprozesse hilfreich.
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Rubrizierung: 2.3431.2 Empfohlene Zitierweise: Sven-Jacob Sieg, Rezension zu: Jan-Christoph Hauswald: Der Angewandte Vetospieleransatz. Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39729-der-angewandte-vetospieleransatz_48163, veröffentlicht am 02.06.2016. Buch-Nr.: 48163 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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