/ 21.06.2013
Karin Kneissl
Der Energiepoker. Wie Erdöl und Erdgas die Weltwirtschaft beeinflussen
München: FinanzBuch Verlag Gmbh 2006; 246 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89879-187-8Die Autorin will keine politikwissenschaftliche Analyse bieten. Ihre Analyse des Erdölmarkts richtet sich eher an die Wirtschaft: „Wollen Investoren die Unwägbarkeiten des Energiegeschäfts besser einschätzen, so wird ihnen dieses Buch eine Orientierungshilfe bieten.“ (13) Zudem sollen Führungskräfte in der Politik Hintergrundinformationen erhalten. Kneissl berücksichtigt nicht allein deshalb auch immer wieder politische Faktoren, denn der Ölmarkt sei „wie eine optische Linse, in welcher sich politische Entwicklungen oft dramatisch brechen (46). Das macht sie unter anderem in ihrer knappen Zusammenfassung der Entwicklung der 1960 in Bagdad gegründeten OPEC deutlich. Was als unbekanntes Dialogforum begann, stieg zu einem marktbeherrschenden Kartell auf, das in den siebziger Jahren für weltweite Wirtschaftskrisen sorgte, in den neunziger Jahren etwas aus den Schlagzeilen fiel, dann mit der Nachfrageexplosion im jetzigen Jahrzehnt wieder an Macht gewann. Die Förderung in den OPEC-Ländern werde immer noch durch niedrige Kosten, aber ein vergleichsweise höheres politisches Stabilitätsrisiko gekennzeichnet. In einigen Nicht-OPEC-Förderländern herrsche hingegen politische Stabilität, aber die Investitionskosten seien deutlich höher. Letzteres gilt insbesondere für die Nordsee-Förderländer. Russlands immer wichtigere Rolle auf dem Energiemarkt wird von Kneissl ausführlicher beleuchtet, aber auch in diesem Abschnitt steht die Bewertung von Investitionsmöglichkeiten im Vordergrund. Wer sein sauer verdientes Erspartes in Ölkonzerne anlegen will, wird jedoch nicht besonders ermutigt. Die Analyse des Ölmarktes zeigt in allen Teilbereichen, sei es die Förderung, die Spekulation mit Energieaktien oder die Risiken angesichts zunehmender Umweltschäden, dass wir in Zeiten des Umbruchs leben. Wie die Zukunft aussehen könnte, wird in dem Buch allerdings nicht untersucht. Insbesondere findet sich eher wenig zur zunehmenden Rolle regenerativer Energien. Kneissl legt sich jedoch in einer Hinsicht fest: „Erdöl und Erdgas werden den Energiemix vorerst weiter bestimmen.“ (245)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.43 | 4.45 | 4.3 | 2.26 | 2.62 | 2.64 | 2.67 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Karin Kneissl: Der Energiepoker. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26551-der-energiepoker_30950, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 30950
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M. A., Politikwissenschaftler.
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