/ 20.06.2013
Kai Oliver Thielking
Die Kirche als politischer Akteur. Kirchlicher Einfluss auf die Schul- und Bildungspolitik in Deutschland
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2005; 352 S.; brosch., 74,- €; ISBN 3-8329-1498-6Politikwiss. Diss. Marburg; Gutachter: T. v. Winter, H. Rupp. – Thielking begibt sich auf ein Feld, das politikwissenschaftlich lange wenig beachtet wurde und erst in jüngster Zeit wieder vermehrt Aufmerksamkeit gefunden hat: das Verhältnis von Kirche und Staat in der Bundesrepublik. Er konzentriert sich auf die präzise begründete Fragestellung, welchen Einfluss die Kirchen in der Bildungspolitik haben. Dazu betrachtet er die Kirchen aus politikwissenschaftlicher Sicht als Interessengruppe, die dadurch charakterisiert wird, dass sie Statusinteressen vertritt, auf die Vermittlung von Wertorientierungen zielt sowie moralische Forderungen erhebt. Thielking stellt die Hypothese auf, dass die Kirchen in der Schulpolitik „sowohl Statusinteressen als auch Wertorientierungen vertreten“ (52). Da der in eigener Verantwortung durchgeführte Religionsunterricht einen breiten und unmittelbaren Zugang zu Schülerinnen und Schülern ermöglicht, den die Kirchen außerhalb der Schule nur schwerlich in diesem Umfang herstellen könnten, geht Thielking davon aus, dass in der Bildungspolitik die Statusinteressen überwiegen. Diese Hypothese untersucht der Autor nach einer Darstellung der Entwicklung des Verhältnisses von Staat und Kirche im Bereich der Bildung sowie der evangelischen und katholischen Kirche als bildungspolitische Akteure in der Bundesrepublik anhand einer Fallstudie. In der Art der Auseinandersetzung über die Einführung des Faches Lebensgestaltung-Ethik-Religion in Brandenburg zu Begin der 90er-Jahre sieht Thielking seine Hypothese bestätigt: „[E]s ging beiden Kirchen nicht primär um die Möglichkeit, überhaupt Religionsunterricht zu erteilen, sondern um die theoretische und praktische Gleichstellung dieses Faches mit anderen Schulfächern.“ (311) Auch wenn das Ergebnis dieser Fallstudie auch nach Ansicht des Autors nicht ohne weiteres auf andere Fälle zu übertragen ist, so hat der Autor doch gezeigt, wie fruchtbar eine Analyse der Kirchen in ihrer Rolle als Interessengruppe ist.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.35 | 2.325 | 2.343
Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Kai Oliver Thielking: Die Kirche als politischer Akteur. Baden-Baden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25036-die-kirche-als-politischer-akteur_28960, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28960
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
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