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/ 22.06.2013
Thomas Höpel

"Die Kunst dem Volke" Städtische Kulturpolitik in Leipzig und Lyon 1945 - 1989

Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2011; 407 S.; 32,00 €; ISBN 978-3-86583-493-5
Kulturpolitik stellte sowohl in der DDR als auch im Frankreich der V. Republik ein wichtiges politisches Feld dar. In beiden Staaten hatte Kulturpolitik vor allem auch eine Stabilisierungsfunktion für das gesellschaftliche und politische System. Höpel arbeitet besonders schlüssig und detailliert die verschiedenen staatlichen Konzepte einer in erster Linie aktiven und gestaltenden Kulturpolitik nach 1945 heraus. Damit schließt er direkt an seine Ergebnisse zur Kulturpolitik in der Zwischenkriegszeit an und ermöglicht eine Langzeitperspektive, die Brüche und Kontinuitäten der französischen und deutschen Kulturpolitik im 20. Jahrhundert aufzeigt. Während in Ostdeutschland die Zentralisierung der Kulturpolitik an die Entwicklungen von vor 1945 anschlossen, vollzog die französische Regierung einen radikalen Bruch zur Kulturpolitik der vorangegangenen IV. Republik. Trotz der ideologischen Unterschiede gilt für die DDR genauso wie für Frankreich, dass Kulturpolitik gleichzusetzen ist mit Gesellschaftspolitik und als wichtiges Mittel im internationalen Wettkampf instrumentalisiert wurde. Die institutionellen, inhaltlichen und ideologischen nationalen Unterschiede analysiert Höpel im Zuge des Vergleichs der alten Bürgerstädte Leipzig und Lyon. Beide Städte hatten bereits im 19. Jahrhundert eine breite kulturelle Infrastruktur und entwickelten sich zu wichtigen Wirtschafts- und Messestandorten. Darüber hinaus beherbergen beide Universitäten, was für das lokale und überlokale Leben eine nicht zu unterschätzende Bedeutung darstellt. Die Analyse macht deutlich, dass trotz vergleichbarer zentralstaatlicher Strukturen die ideologische Ausprägung der politischen Systeme wesentliche Unterschiede hervorbringt. Während in der DDR Kulturpolitik vom Staat zur Stadt per Ukas durchsetzbar war, so führten die demokratischen Spielregeln in Frankreich oftmals zu einem Ringen zwischen Stadt und Staat. Jedoch darf, so Höpel, die starke Einflussnahme der SED und des Kulturministeriums in der DDR nicht den Eindruck erwecken, dass kulturpolitische Gestaltung vor allem auch an lokale Traditionen anknüpfte und durch die Interessen der Stadtbevölkerung beeinflusst werden konnte.
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.212.612.3142.263 Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Thomas Höpel: "Die Kunst dem Volke" Leipzig: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34029-die-kunst-dem-volke_40786, veröffentlicht am 12.08.2011. Buch-Nr.: 40786 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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