/ 22.06.2013
Hans Schelkshorn / Jameleddine Ben Abdeljelil (Hrsg.)
Die Moderne im interkulturellen Diskurs. Perspektiven aus dem arabischen, lateinamerikanischen und europäischen Denken
Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2012; 250 S.; geb., 25,90 €; ISBN 978-3-942393-33-1Insofern die Moderne ein globales Phänomen ist, ist es ratsam, in einem interkulturellen Diskurs unterschiedlichen Modernitätserfahrungen nachzuspüren und diese in ihren spezifischen Interpretationen, die jeweils eigenen Deutungshorizonten erwachsen, zu entfalten. Mit der in diesem Band vorliegenden Perspektivenvielfalt, die neben dem europäischen Modernitätsdiskurs auch die im arabischen Raum sowie diejenigen innerhalb des lateinamerikanischen Denkhorizontes zur Sprache bringt, wird dem „Begriff der Moderne auf seiner Wanderung durch die Sprachen“ (Moncef Ben Abdeljelil, 65) nachgegangen. Autoren aus drei Weltregionen brechen den ursprünglichen Monolog des europäischen beziehungsweise nordamerikanischen Denkens auf und beleuchten vor dem Hintergrund der eigenen Kultur, welche Modernitätsvorstellungen und ‑wahrnehmungen entwickelt werden. Welche Rationalitätsstandards liegen den jeweiligen Deutungszusammenhängen zugrunde und welche nationalen und transnationalen Wirkungen haben „Moderne‑Konzepte in bestimmten historischen und kulturellen Kontexten“ (10) hervorgebracht? Um ein umfängliches Vokabular der Moderne zu generieren, bedarf es auch und gerade der Sichtweisen dekolonialisierter Regionen, die mit ihrem Gegendiskurs einerseits die Moderne adaptieren, aber gleichwohl eine Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Grundlagen einleiten. Von daher wird erörtert, in welchen kulturellen Erscheinungen und Identitätswahrnehmungen sich die Moderne etwa im arabischen oder lateinamerikanischen Kontext zeigt. Um sich selbst nicht nur „als pures Objekt der Modernisierung zu betrachten“ (125 f.), fordert Bolivar Echeverria, dem das Buch gewidmet ist, ein radikales Umdenken ein: „Die Lateinamerikaner, die Autoren verschiedener moderner identitärer Formen gewesen sind, nämlich der barocken, der kolonialen und der republikanischen, können ihre Qualität als Subjekte, als Schöpfer von identitären Formen gegenwärtig nur behaupten, wenn sie sie im Untergrund oder an den Rändern des formalen sozialen Lebens ausüben. Ihre Identität zu behaupten, wird für die Lateinamerikaner immer mehr zu einer Angelegenheit revolutionärer Ausmaße.“ (126)
Karl-Heinz Breier (KHB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.2 | 2.23 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Karl-Heinz Breier, Rezension zu: Hans Schelkshorn / Jameleddine Ben Abdeljelil (Hrsg.): Die Moderne im interkulturellen Diskurs. Weilerswist: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35012-die-moderne-im-interkulturellen-diskurs_42127, veröffentlicht am 10.01.2013.
Buch-Nr.: 42127
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Vechta.
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