Skip to main content
/ 20.06.2013
Guido Müller

Europäische Gesellschaftsbeziehungen nach dem Ersten Weltkrieg. Das Deutsch-Französische Studienkomitee und der Europäische Kulturbund

München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2005 (Studien zur Internationalen Geschichte 15); XI, 525 S.; geb., 54,80 €; ISBN 3-486-57736-0
Habilitationsschrift Philosoph. Fakultät RWTH Aachen. – Müller stellt für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis 1933 exemplarisch „zwei deutsch-französische Verständigungsinitiativen und die darauf sich beziehenden Europabewegungen auf ihre personellen, sozialen und inhaltlichen Strukturen hin“ (19) dar. Er zielt dabei nicht auf deren ideengeschichtliche Ausleuchtung. Vielmehr fokussiert er gesellschafts- und politikgeschichtlich auf die grenzüberschreitenden nichtstaatlichen Elitenkontakte, die zu einem Netz von sozialen und geistigen Beziehungen im deutsch-französischen Kontext zusammenliefen – trotz der und parallel zu den immer wieder schwer belasteten offiziellen Beziehungen der beiden Staaten. Die Aufwertung dieses spezifischen konstruktiven Elements korrigiert ebenso die Verengung der behandelten Jahre allein auf den Untergang der Weimarer Republik, wie sie die These untermauert, dass sich das System von Locarno beiderseits des Rheins in Gesellschaft und Kultur stärker sogar als im Politischen niedergeschlagen hat. Aus der unübersichtlichen Vielzahl der oft nur temporären oder marginalisierten Bewegungen hat Müller mit dem wirtschaftlich ausgerichteten Deutsch-Französischen Studienkomitee und dem allein kulturell konzipierten Europäischen Kulturbund zwei der dauerhafteren und gewichtigeren Organisationen ausgewählt. Anhand beider kann er den Nachweis erbringen, dass es gerade „Intellektuelle von rechts“ sowie deren „jungkonservative und technokratische, demokratieferne Gesellschafts- und Staatsvorstellungen“ (10) waren, die den deutsch-französischen Gesellschaftsbeziehungen nach dem Ersten Weltkrieg ihr Profil gaben und auch die jeweiligen Europabewegungen entsprechend prägten. Der methodische Zuschnitt der Arbeit machte es erforderlich, die klassisch diplomatischen Archivalien um private und publizistische Quellen zu ergänzen, die oft noch unpubliziert und in Privatbesitz befindlich sind.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 4.14.22.3112.61 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Guido Müller: Europäische Gesellschaftsbeziehungen nach dem Ersten Weltkrieg. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23806-europaeische-gesellschaftsbeziehungen-nach-dem-ersten-weltkrieg_27361, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27361 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA