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/ 21.06.2013
Ellen Dietzsch

Europas Verfassung und die Medien. Deutschland und Frankreich im Vergleich

Marburg: Tectum Verlag 2009 (Politikwissenschaften 22); 191 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9982-7
Kommunikationswiss. Magisterarbeit Dresden; Gutachter: W. Donsbach. – Wie steht es um die Qualität der Berichterstattung über europäische Politik? Ist der Vorwurf gerechtfertigt, dass die Medien aufgrund unzureichender beziehungsweise negativer Berichterstattung zum Öffentlichkeitsdefizit der EU beitragen? Zur Beantwortung dieser Fragen untersucht Dietzsch anhand journalistischer Qualitätskriterien (wie Relevanz, Vielfalt und Ausgewogenheit) die Berichterstattung von Printmedien zum Vertrag über eine Verfassung für Europa in deutschen und französischen überregionalen Tageszeitungen. Dabei konzentriert sich die Autorin auf Differenzen bei der Berichterstattung über die Debatte um die Ratifikation des Verfassungsvertrags. Im Ergebnis offenbarte die Inhaltsanalyse von 1.125 Artikeln, dass sich die Berichterstattung der deutschen und französischen Printmedien weder hinsichtlich der publizistischen Qualität noch des Grads der Europäisierung gravierend unterschied. Als Hauptdefizite zeigten sich in beiden Ländern „die geringe Informationsmenge, insbesondere die kleine Zahl von Artikeln mit zentralen Inhalten, die Einseitigkeit, die mangelnde Vielfalt sowie die geringe Präsenz der EU und anderer Mitgliedstaaten“ (159). Selten sei der Vertrag Schwerpunkt der Artikel gewesen und es habe nur wenige Informationen zu ihm gegeben. Beiträge, in denen vorwiegend nationale Akteure vorkamen, seien häufiger und besser platziert gewesen. Insgesamt habe die Arbeit „erhebliche Qualitätsmängel“ (165) bei der Vermittlung europäischer Politik deutlich werden lassen. Von einer europäisierten Berichterstattung könne daher nicht die Rede sein, sodass die Autorin zu der Erkenntnis gelangt, dass die Medien der gewachsenen Bedeutung europäischer Politik nicht gerecht werden. Zudem sieht Dietzsch die häufig vorgetragene These, wonach Volksabstimmungen die Medien zu höherer Qualität in ihrer Berichterstattung beflügeln als widerlegt an.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.222.3332.613.22.26 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Ellen Dietzsch: Europas Verfassung und die Medien. Marburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31593-europas-verfassung-und-die-medien_37627, veröffentlicht am 16.03.2010. Buch-Nr.: 37627 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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