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/ 22.06.2013
Michaela Marek / Dušan Kováč / Jiří Pešek / Roman Prahl (Hrsg.)

Kultur als Vehikel und als Opponent politischer Absichten. Kulturkontakte zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre

Essen: Klartext 2010 (Veröffentlichungen der Deutsch-Tschechischen und Deutsch-Slowakischen Historikerkommission 17; Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa 37); X, 587 S.; hardc., 49,95 €; ISBN 978-3-8375-0480-4
Mit „Pan Tau“ wuchs eine Generation von Kindern auf, die in einem geteilten Europa lebte und trotzdem dieselbe Kinderserie sah – und für die so „eine gemeinsame, grenzüberschreitende Mythenwelt“ (315) entstand, wie Helena Srubar schreibt. Diese Serie wurde, neben weiteren, vom Westdeutschen Rundfunk, dem Tschechoslowakischen Fernsehen und den Barrandov Filmstudios in Prag koproduziert. Srubar erzählt, dass es in der ČSSR bereits eine lange Tradition der Kinderfilme gegeben hatte, die mit gleicher finanzieller Ausstattung und gleichem künstlerischen Anspruch realisiert wurden wie Erwachsenenfilme. Im Gegensatz dazu wurde in der Bundesrepublik speziell an Kinder gerichtete Kultur in der Tendenz als minderwertig betrachtet. Die Prager Produktionen dagegen ließen „Raum für kindliche Anarchie und Subversion“ (323), weshalb sie auch im Westen großen Anklang fanden. Die Zusammenarbeit, die im Vorfeld des Prager Frühlings in die Wege geleitet wurde, „hatte über die gewaltsame Niederschlagung der tschechoslowakischen Reformbewegung, die Etablierung des ‚Normalisierungsregimes’ und die Samtene Revolution bis in die frühen neunziger Jahre hinein Bestand“ (315). „Pan Tau“ ist ein Beispiel dafür, wie weit die Konzepte der Kultur im Leben der Deutschen, Tschechen und Slowaken in diesem Band gespannt werden. Sie reichen „vom traditionellen Begriff der Hochkultur über soziologische und anthropologische Kulturbegriffe bis hin zur Vorstellung von Kultur als kleinräumiger lebensweltlicher Kontext“ (2), wie Michaela Marek erläutert. Mit der Beschränkung auf die Kultur im deutsch-tschechisch-slowakischen Beziehungsgeflecht wird zugleich Raum geschaffen „für eine longue-durée-Perspektive vom 19. Jahrhundert bis nahe an die Gegenwart“ (1). Allerdings fehlen Beiträge über die Gegenwart und jüngste Vergangenheit seit 1989, was bedauerlich ist. Zu vermissen ist zudem ein Überblickbeitrag – auch wenn dieser angesichts der interessanten Themenvielfalt eine Herausforderung gewesen wäre. Den Beiträgen vorangestellt sind aber drei Einführungen zum Begriff der Kultur, ihrer Geschichte und ihrer Rolle als Vehikel und Opponent politischer Absichten. Dokumentiert wird mit diesem Band die Doppeltagung der Deutsch-Tschechischen und der Deutsch-Slowakischen Historikerkommission, die 2004 und 2005 in Prag und Hamburg stattfand.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.2632.232.252.35 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Michaela Marek / Dušan Kováč / Jiří Pešek / Roman Prahl (Hrsg.): Kultur als Vehikel und als Opponent politischer Absichten. Essen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33636-kultur-als-vehikel-und-als-opponent-politischer-absichten_40283, veröffentlicht am 14.07.2011. Buch-Nr.: 40283 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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