/ 21.06.2013
Wolf Lepenies
Kultur und Politik. Deutsche Geschichten
München/Wien: Carl Hanser Verlag 2006; 447 S.; geb., 29,90 €; ISBN 978-3-446-20807-0Der Autor, diesjähriger Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, beschäftigt sich mit dem in Deutschland so prekären Verhältnis von Kultur und Politik zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert. Dabei konstatiert er in seiner motiv- und mentalitätsgeschichtlichen Studie, dass die deutsche Kultur im kollektiven Gedächtnis als Identitätsstifterin jahrhundertelang gegen die Politik ausgespielt wurde. So schrieben noch vor achtzig Jahren Intellektuelle wie Thomas Mann, Gottfried Benn oder Theodor W. Adorno gegen eine primär politisch verfasste Gesellschaft an und hoben stattdessen die kulturelle Hegemonie Deutschlands hervor. Lepenies zeigt aber auch, dass diese Idee des kulturellen Primats durchaus nach Frankreich und USA ausstrahlte, also international zu faszinieren vermochte. Erst nach der Befreiung vom Nationalsozialismus konnte sich eine demokratische Verfassung entwickeln, deren Autorität akzeptiert wurde und die bis heute die nationale Identität des Landes prägt. Das Buch ist eine erheblich erweiterte Fassung des ursprünglich auf Englisch erschienenen Werkes „The Seduction of Culture in German History“.
Kaspar Nürnberg (KN)
M. A., Historiker, Geschäftsführer des Vereins Aktives Museum, Berlin.
Rubrizierung: 2.3 | 2.31 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Kaspar Nürnberg, Rezension zu: Wolf Lepenies: Kultur und Politik. München/Wien: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26498-kultur-und-politik_30886, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30886
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., Historiker, Geschäftsführer des Vereins Aktives Museum, Berlin.
CC-BY-NC-SA