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/ 21.06.2013
Claudia Lorenz

Kulturpolitik – Die Lage des Künstlers in Deutschland

Marburg: Tectum Verlag 2008; 114 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9685-7
Politikwiss. Abschlussarbeit München; Gutachter: J. Nida-Rümelin. – Der Künstlerberuf kann Traum und Albtraum zugleich sein: gesellschaftlichem Prestige und hoher individueller Freiheit stehen auf der anderen Seite die Gefahren unregelmäßigen Einkommens gegenüber. Die Autorin nähert sich dem Beruf des Künstlers sehr systemisch und mit einer interessanten Perspektive, denn der Künstler und überhaupt der Kulturbereich ist zunehmend Gegenstand sozialstaatlicher Regelungen geworden. Lorenz verweist jedoch einleitend darauf, dass dem Bereich der Kulturpolitik nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit widerfährt. Dies gelte für die praktische Politik wie auch die Wissenschaft, so gebe es kaum große Studien oder eine Disziplin der Kulturstatistik. Lorenz definiert Kultur als Vermittlungsbegriff, der im Übrigen nicht korrekt mit der Dichotomie, Kunst sei sinnbezogen und Politik hingegen machtorientiert, erfasst werde: „So besteht bei diesen […] Begriffen auch eine Verkettung, denn es gibt kein politisches Handeln, das nicht durch Sinnbestimmung, Legitimität und normative Orientierung geprägt ist, sowie es keine politikfreie Kultur gibt, also keinen machtfreien, unschuldigen Sinn“ (8). Die zentralen Aufgaben der Kulturpolitik fasst die Autorin als Sicherung der kulturellen Grundversorgung und der Künstlerförderung zusammen. In der paradigmatischen Ausrichtung der Kulturpolitik identifiziert Lorenz zwei Phasen, einer Phase der „Kultur für alle“ (30) folgte ab 1989 die „Kulturpolitik der Zweiten Moderne“ (31). Zudem sei der Kulturbereich in den letzten Jahren von rückläufiger Förderung betroffen, was angesichts der kleinen Haushaltsposten, die die Kulturförderung ausmache, nach Lorenz Auffassung ungerechtfertigt sei. Ihre Zukunftsprognose fällt entsprechend „eher negativ“ (106) aus, zumal sie den Prozess der Kompetenzverlagerung auf die EU-Ebene ablehnt: „Kultur muss vor allem regional gefördert werden“ (108).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.343 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Claudia Lorenz: Kulturpolitik – Die Lage des Künstlers in Deutschland Marburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30880-kulturpolitik--die-lage-des-kuenstlers-in-deutschland_36698, veröffentlicht am 26.08.2009. Buch-Nr.: 36698 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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