/ 21.06.2013
Internationale Marx-Engels-Stiftung (Hrsg.)
Marx-Engels-Jahrbuch 2007
Berlin: Akademie Verlag 2008; 204 S.; 39,80 €; ISBN 978-3-05-004421-7Zum Auftakt des neuen Jahrbuchs wird die Schrift „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ gewürdigt, die Engels 1845 publizierte. Sie zähle nicht nur zu seinen bedeutendsten Werken, schreibt Matthias Bohlender, sondern stelle auch eine Pionierleistung in der Zusammenstellung soziografischer Daten und Fakten über die gesellschaftliche Lage der englischen Arbeiterklasse dar. Bohlender greift in seiner Betrachtung die Feststellung von Marx in der „Kritik im Handgemenge“ auf, Engels habe nicht in erster Linie „Erkenntnisse [..] gewinnen, sondern [.] den Gegner [..] treffen und dem Kombattanten ein Erschrecken“ (10) lehren wollen. Die Kombattanten waren die Vertreter einer bürgerlichen Kritik, wobei Bohlender als Beispiele den konservativen Schriftsteller Thomas Carlyle und den Sozialreformer James P. Kay herausgreift – und dabei zu einer bemerkenswerten Feststellung kommt: Zwar habe sich Engels mit der bürgerlichen Kritik an Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt. Aber er „nimmt diese Kritik als Element einer sozialen und politischen Reformbewegung überhaupt nicht wahr“ (32). In weiteren Beiträgen befassen sich die Autoren u. a. mit der Wirkung des „Kapitals“ auf die akademische Nationalökonomie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und mit der Frage, ob und inwieweit zwischen den Analysen von Marx und Engels zu unterscheiden wäre. Erinnert wird an den Sozialphilosophen und Mitbegründer des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt, Karl Korsch, der während der Weimarer Republik vergeblich versucht hatte, marxistische Ideen und Wissenschaftskonzepte an den Universitäten zu verankern. In kompakter Form berichtet außerdem Beatrix Bouvier über die Ausstellung „Das Gruselkabinett des Dr. Erzmarx“ von Jonathan Meese in Trier, in der der Marxismus offenbar als Ausgangspunkt diente für eine Sehnsucht, „möglicherweise nach zivilisatorischer Entgrenzung, nach radikaler Kulturexplosion“ (167) – oder vielleicht auch nur für künstlerischen Unernst.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.1 | 5.33 | 2.311
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Internationale Marx-Engels-Stiftung (Hrsg.): Marx-Engels-Jahrbuch 2007 Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29595-marx-engels-jahrbuch-2007_35038, veröffentlicht am 30.09.2008.
Buch-Nr.: 35038
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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