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/ 22.06.2013
Katja Friedrich

Publikumskonzeptionen und Medienwirkungsmodelle politischer Kommunikationsforschung. Zum Einfluss theoretischer Grundannahmen auf die empirische Forschungspraxis

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 263 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-18095-3
Diss. München; Begutachtung: H.-B. Brosius, T. Hanitzsch. – Wenige Forschungsbereiche – das unterstreicht die Autorin in ihrer Arbeit wiederholt – „sind in ihrem Entdeckungs- und Verwertungszusammenhang so normativ aufgeladen wie die politische Wirkungsforschung“ (225) – und das gereiche diesem Forschungszweig nicht zum Vorteil. Das Feld der politischen Wirkungsforschung orientiere sich überwiegend an demokratietheoretisch geprägten Annahmen über die Funktion der Massenmedien. Deren Informationsangebote und Vermittlungsleistungen seien wesentliche Voraussetzungen für die politische Informiertheit und Meinungsbildung der Bürger. Allerdings werde dieses Idealbild sachlich arbeitender Medien und politisch interessierter Bürger von der Empirie der Mediennutzungsforschung immer weniger gedeckt – in erster Linie nutze das Publikum die Unterhaltungsfunktionen der Medien. Ausgehend von diesem Kontrast zwischen normativen Prämissen und der vielfach sozialpsychologisch gestützten Empirie untersucht die Autorin die sich daraus ergebenden theoretischen und methodischen Herausforderungen für die politische Wirkungsforschung – primär in Gestalt von Inhaltsanalysen von TV-Angeboten. In Gegenüberstellung vom normativen Top-down-Modell und einem auf die individuelle Rezeptionsrelevanz bezogenen deskriptivem Modell diskutiert Friedrich im konzeptionellen Teil der Studie mögliche Konsequenzen für Publikumskonzeptionen, Medienwirkungsmodelle, Ansprüche an Politikvermittlung und die Forschungspraxis. Den zweiten Teil der Studie bildet eine qualitativ-inhaltsanalytisch ausgelegte Meta-Analyse von 74 Abhandlungen aus einschlägigen (auch internationalen) Fachzeitschriften der Jahre 1990 bis 2007. Leitend ist dabei die Frage, ob und inwieweit sich auf der Ebene der empirischen Forschung ein methodischer Wandel der politischen Wirkungsforschung in Richtung einer realitätsnäheren Sicht auf faktisch vorhandene Rezeptionsformen abzeichnet.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 1.2 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Katja Friedrich: Publikumskonzeptionen und Medienwirkungsmodelle politischer Kommunikationsforschung. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34231-publikumskonzeptionen-und-medienwirkungsmodelle-politischer-kommunikationsforschung_41079, veröffentlicht am 12.07.2012. Buch-Nr.: 41079 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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