/ 22.06.2013
André Becker
Reflexiver Policy-Wandel. Richard Rorty als kulturpolitischer Entrepreneur.
Berlin: Lit 2010 (Politische Theorie 14); XI, 185 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-643-10848-7Magisterarbeit Hamburg; Betreuer: M. Th. Greven. – Die wissenschaftliche Eingrenzung und Fixierung des amerikanischen Philosophen und Literaturwissenschaftlers Richard Rorty (1931-2007) ist schwierig. André Becker legt mit seiner Darstellung Rortys als bildenden Philosophen und kulturpolitischen Entrepreneur einen neuen Versuch für die Politikwissenschaft vor. Zunächst geht es darum, Rortys Verständnis von Politik, Kultur und demokratischen Aushandlungsprozessen zu fassen. Im zweiten Teil interpretiert er Rorty als Entrepreneur, der die kulturpolitische Idee verfolge, einen normativen Status des Politischen herbeizuführen, „der soziale Hoffnung sowie kollektive Solidarität befördert und somit eine Annäherung an seine umfassenden gesellschaftspolitischen Zielsetzungen begünstigt“ (135). Dem Pragmatisten Rorty gehe es nicht darum, politische Institutionen und Normen als rationale Fortschritte und Vernunftideale der Menschheit zu begreifen, sondern die erreichten Errungenschaften als Ergebnisse von kulturpolitischen Kontroversen zu fassen. Keine philosophischen Theorien, sondern das kulturelle und moralische Selbstverständnis einer politischen Gruppe gelte es zu fassen. Diese „Wir-Gruppe“ (62) sei Trägerin von spezifischen Normen wie die rechtliche Sicherung individueller Freiheiten und müsse dazu befähigt werden, jenen Prozess zur Vermeidung von Grausamkeiten fortzuführen.
Becker gelingt es, die philosophischen Wurzeln, Parallelen und Gegensätze Rortys u. a. zu John Dewey, Jürgen Habermas oder der System- und Handlungstheorie anzureißen. Er resümiert, der kulturpolitische Entrepreneur Rorty hoffe, einen „Sinnzusammenhang herzustellen, der bestimmte soziale Praktiken gegenüber anderen begünstigt und somit langfristig zum gesellschaftlichen, politischen und moralischen Fortschritt beiträgt“. (163) Mit seiner Lesart schlägt Becker einen Pfahl in das Feld der Rorty-Interpretation, wobei er sich an wissenschaftlich interessierte und mit dessen philosophischem Werk vertraute Leser wendet.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: André Becker: Reflexiver Policy-Wandel, Berlin 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33279-reflexiver-policy-wandel, veröffentlicht am 17.03.2011.
Buch-Nr.: 39798
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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