/ 21.06.2013
Dieter Ruloff (Hrsg.)
Sicherheit und Unsicherheit in einer Welt im Wandel
Chur/Zürich: Verlag Rüegger 2008 (Sozialwissenschaftliche Studien des Schweizerischen Instituts für Auslandsforschung 35 [Neue Folge]); 143 S.; brosch., 20,90 €; ISBN 978-3-7253-0904-7Die Beiträge gehen auf einen Vortragszyklus des Schweizerischen Instituts für Auslandsforschung in Zürich 2006 und 2007 zurück. Thematisch zusammengehalten werden sie durch die Überbegriffe des Wandels und der damit zusammenhängenden Unsicherheiten, die in ihren verschiedenen Erscheinungen sowohl sicherheitspolitisch als auch wirtschaftlich interpretiert werden. Die sicherheitspolitische Seite der israelischen Strategie der „Iron Wall“ untersucht Avi Shlaim. Der Begriff der eisernen Mauer geht auf Ze’ev Jabotinsky zurück, der seinerzeit ausführte, dass ein jüdischer Staat nur dann überlebensfähig sei, wenn ein Angriff auf diesen dank absolut überlegenem Militär als völlig sinnlos angesehen werden müsse. Jedoch, so betont Shlaim, beherzige die israelische Politik den zweiten Teil der Empfehlungen Jabotinskys nicht, nämlich aus einer solchen Position der Stärke heraus Frieden zu schließen. Es bestehe ein völliger Unwillen, einen Kompromiss im Sinne eines Tausches von Land gegen Frieden zu wagen. Da eine eiserne Mauer den Terrorismus jedoch nicht abhalte, baue man nun mit Beton, führt der Autor aus, eine Maßnahme, die den Konflikt perpetuiere und nicht löse, sodass er mit den Worten schließt: „Ze’ev Jabotinsky turns in his grave“ (59). Josef Ackermann widmet sich der Rolle der Schwellenländer in der Weltwirtschaft und deren Bedeutung in der Strategie der Deutschen Bank. Einleitend geht er jedoch auf die Kreditkrise in den USA ein. Problematisch seien die zu komplizierten Finanzprodukten verpackten Hypotheken gewesen, die so intransparent und kaum zu bewerten waren. Insofern sei mehr Transparenz auf den Finanzmärkten und bei den Grundlagen der Bewertung komplizierter Finanzprodukte notwendig. Er stellt fest: „Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen im Zuge der Marktturbulenzen, die aus der Subprime-Krise resultierten, ist die Tatsache, dass die Schwellenländer von der Krise bisher so gut wie gar nicht berührt sind“ (134). Schon heute, so fährt er fort, halten die Schwellenländer auf Kaufkraftbasis berechnet die Mehrheit des Weltsozialprodukts und wohl bald auch des Welthandels.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 4.42 | 4.43 | 4.44 | 2.61 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Dieter Ruloff (Hrsg.): Sicherheit und Unsicherheit in einer Welt im Wandel Chur/Zürich: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29424-sicherheit-und-unsicherheit-in-einer-welt-im-wandel_34819, veröffentlicht am 30.09.2008.
Buch-Nr.: 34819
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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