/ 07.11.2013
Rudolf de Cillia / Eva Vetter (Hrsg.)
Sprachenpolitik in Österreich. Bestandsaufnahme 2011
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2013 (Sprache im Kontext 40); 347 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-631-63686-2„Multikulturalität ist nicht als ‚bunte‘, kulturelle, kulinarische etc. Kulisse zur Behübschung der Lebenswelt der Mehrheitsbevölkerung misszuverstehen, sondern sie ist Auftrag und Aufforderung, Gleichberechtigung der (d. h. aller) Menschen unterschiedlicher Herkünfte in Europa durchzusetzen.“ (89) Mit diesem Satz bringen Gero Fischer und Ursula Doleschal die Grundstimmung aller Autorinnen und Autoren des Bandes auf den Punkt. Die Sprachenpolitik in Österreich habe in großen Teilen zwischen 2001 und 2010 keine positiven Veränderungen durchlaufen, es sei sogar eine Verschärfung der sprachlichen Diskriminierung festzustellen, so die Herausgeber. Fischer und Doleschal kritisieren diese weitere Abwertung der Minderheitensprachen in Österreich, insbesondere im Bildungswesen. Dabei mangele es weniger an rechtlichen Grundlagen, sondern vielmehr am Durchsetzungswillen der politisch Verantwortlichen. Konsequente und sinnvolle Umsetzungen der gesetzlichen Bestimmungen seien zu vermissen. So ignorierten die Kärntner Landespolitiker Forderungen des Volksgruppenbeirats nach einer gesetzlichen Regelung einer zweisprachigen Kindergartenerziehung, obwohl die Nachfrage danach so groß sei, dass inzwischen acht private Kindergärten von Kärtner Slowenen gegründet worden seien. Ebenso kritisch betrachtet Verena Plutzar die gesetzlich verankerte Deutschlernpflicht, die „Aufenthalt wie auch Niederlassung und Erlangung der Staatsbürgerschaft von einem Nachweis von Deutschkenntnissen abhängig macht“. (48) Obschon sich im Vorfeld Experten unterschiedlicher Disziplinen in einem gemeinsamen Appell gegen das Regierungsvorhaben aussprachen, gestützt von der Tatsache, „dass die vorliegenden Pläne allen nationalen und internationalen Erfahrungen widersprachen“ (49), wurde die Deutschlernpflicht seit 2002 weiter ausgebaut. In gleichem Maße wächst nach Beobachtung der Autorin die Kritik: unter anderem an der Qualität der Angebote, an den Sanktionen, die bis zur Ausweisung gehen, an den Kosten der Sprachkurse, die von den Migranten größtenteils selbst getragen werden müssen, und besonders an dem damit einhergehenden Ausschluss von Analphabeten von der Erlangung von Bürgerrechten. Plutzar unterstellt der österreichischen Regierung damit sogar strategisches Vorgehen: „[E]s geht um Selektion“. (51) Analog zu Fischer und Doleschal fordert sie die „Anerkennung der Mehrsprachigkeit Österreichs und der Vielsprachigkeit der MigrantInnen“ sowie den Umbau insbesondere der Bildungseinrichtungen „mit dem Ziel Mehrsprachigkeit und Migration als Normalität anzuerkennen“ (63 f.).
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.4 | 2.263 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Rudolf de Cillia / Eva Vetter (Hrsg.): Sprachenpolitik in Österreich. Frankfurt a. M. u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36385-sprachenpolitik-in-oesterreich_44433, veröffentlicht am 07.11.2013.
Buch-Nr.: 44433
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M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
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