/ 21.06.2013
Dennis L. Kampschulte
Transatlantische Wahrnehmungsunterschiede im Umgang mit internationalen Konflikten? Zur Bedeutung der auswärtigen Kultur-, Bildungs- und Informationspolitik in Deutschland und den USA
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008; 237 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8329-3579-5Erziehungswiss. Diss. HSU Hamburg; Gutachter: L. Reuter, A. Scheunpflug. – Ein Grund für die unterschiedlichen Einschätzungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 seitens der Amerikaner und der Europäer sowie der aus ihnen zu ziehenden Konsequenzen sind „kulturell bedingte Perzeptionsunterschiede“ (16). Worin liegen die Gründe für diese Unterschiede und welche Ursachen benennen die außenpolitischen Akteure in Deutschland und in den USA für die Anschläge und zu welchen Reaktionen führte es? Zur Beantwortung der Fragen untersucht Kampschulte die Entwicklung von auswärtiger Kultur- und Bildungspolitik in Europa und die amerikanische Private Diplomacy seit dem Ende des Ost-West-Konflikts. Er konzentriert die Analyse auf die politischen Diskurse und die diesen Diskursen zugrunde liegenden Vorstellungen der politischen Akteure und vergleicht sie. Ein Ergebnis lautet, dass die jeweils gewählten Strategien auf grundlegenden kulturell bedingten Wahrnehmungsunterschieden der politischen Akteure beider Länder basieren, die zu unterschiedlichen Einschätzungen von Konfliktursachen und Lösungsansätzen führen. Während auf deutscher Seite die Position vorherrsche, dass die Anschläge vom 11. September „Ausdruck post-bipolarer Konfliktkonstellationen“ seien, dominiere auf amerikanischer Seite „die Wahrnehmung eines singulären Ereignisses, eines ‚teuflischen Aktes’“, welcher sich gegen die USA und ihre ideologischen Grundlagen gerichtet habe. Für die Amerikaner seien die Ereignisse primär „Ausdruck eines Kommunikationsproblems“, für die Deutschen hingegen „Ausdruck eines Kulturproblems“ (199). Das Verständnis dieser Wahrnehmungsunterschiede – so Kampschultes These – ist eine grundlegende Voraussetzung für eine zukünftige nachhaltige Kooperation beider Nationen bei der Bewältigung komplexer Aufgaben, insbesondere im Umgang mit dem internationalen Terrorismus. Für die deutsche auswärtige Kultur- und Bildungspolitik bedeute dies auch, die Entwicklung einer europäischen auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik aktiv voranzutreiben.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.2 | 4.21 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Dennis L. Kampschulte: Transatlantische Wahrnehmungsunterschiede im Umgang mit internationalen Konflikten? Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29787-transatlantische-wahrnehmungsunterschiede-im-umgang-mit-internationalen-konflikten_35284, veröffentlicht am 27.01.2009.
Buch-Nr.: 35284
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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